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Matera | Stadt & Natur in symbiotischer Beziehung

In Matera, einer kleinen Stadt im Südwesten Italiens, stehen Stadt, Mensch, Tier und Natur in symbiotischer Beziehung zueinander. Die Architektur der Stadt ist Bestandteil der Landschaft und der Bewohner. Diese Kulturlandschaft bestimmt weitergehend auch die Art des Zusammenlebens und schafft so einen harmonischen Lebensraum für alle.

Stein-Häuser und Stadt Matera in den Felsen gebaut und bewachsener Felsen

Die Stadt, das Leben dort und die Gedanken hinter dem Bau faszinieren mich. Vor Ort ist die Symbiose zwischen Mensch und Natur eindeutig spürbar. Nicht nur die Stadt vermittelt dieses Gefühl, sondern auch die Bewohner, die Materani, selbst.


Der Besuch dieser Stadt lies mich anders über das Wohnen denken und mich staunend dastehen.


bewachsener Canyon und eine in und an den Felsen gebaute Stadt mit Kirche am Stein-Häuser und Stadt mit Kirche in der Felsenstadt Matera und mit blauem Himmel im Hintergrund

Matera: Stadt aus Stein in Resonanz und Symbiose mit der Natur


Das Stadtbild von Matera entspricht der dort vorfindbaren Geologie und Beschaffenheit des natürlichen Raumes. Die Stadt ist nicht nur aus dem Material geschaffen, worauf sie steht, sondern auch in dieses eingefügt.


Seit der Altsteinzeit über Jahrhunderte fortschreitend entwickelte sich eine Felskultur, die stets in Resonanz und Symbiose mit der Natur war und ist. Matera ist mit Aleppo eine der ältesten Städte der Welt.


Behausungen wurden in den dort vorfindbaren Tuffstein geschlagen. In späteren Entwicklungsphasen wurde dieser Stein aus dem Berg gegraben und für den Bau der Häuser verwendet. Somit ist Matera auch eine wahre Stadt der Nachhaltigkeit.


Die gesamte Architekturgeschichte ist damit in Matera erkennbar: Von der natürlichen Höhle, zu der vergrößerten Höhle, welche dann von außen verschlossen und innen geschmückt wurde, bis zum eigenständigen Bau von Häusern aus und auf dem dort vorfindbaren Material. Das ist die Fähigkeit und der Wille sich an die karge Landschaft anzupassen.


Landschaft von Matera mit bewachsenem Canyon und eine in und an den Felsen gebaute Stadt mit Kirche am Stein-Häuser und Stadt mit Kirche
Geologie von Matera: links die Höhlen der Murgia Materana, mittig der Canyon, rechts die Sassi di Matera


Entwicklungsphase #1: Murgia Materana


Bereits in der Jungsteinzeit, also vor etwa 20.000 Jahren, ließen sich in der sogenannten “Murgia Materana” Menschen nieder und fanden natürlichen Schutz in den Grotten und Höhlen am Plateau der “Murgia”. Die Lebensbedingungen waren gut: Es gab einen Fluss, fruchtbares Land und leicht zu bearbeitendes Baumaterial.


Sie fanden einen Canyon vor, welcher das Wasser auffängt und somit das Plateau trocken bleibt. Das Plateau bietet auch guten Überblick gegenüber wilden Tieren, wobei diese bis an den Abrgrund des Plateaus gejagt wurden und dann perfekt für die Jagd in den Canyon fielen.

Canyon mit Fluss und Hängebrücke zwischen Murgia Materana und Sassi di Matera, eine in den Felsen gebaute Stadt mit Kirche
Canyon zwischen Murgia Materana und Sassi di Matera

Symbiose Innen wie Außen


Die symbiotische Beziehung zwischen Matera und der Natur zeigt sich auch im Bewohnen der Höhlen im Inneren. Da es in dieser Region der Basilikata nur begrenzte natürliche Wasserquellen gibt, haben die Bewohner von Matera eine einzigartige Technik entwickelt, um Regenwasser zu sammeln und zu nutzen.


Sie bauten ausgeklügelte Systeme von Rinnen und Zisternen, um das Regenwasser von den Dächern in den Felsen zu leiten und zu speichern. Dieses Wasser wurde dann für den täglichen Bedarf, die Landwirtschaft und die Tierhaltung verwendet.


Die Innenräume der Höhlen waren in Sommer stets kühl und im Winter warm und hatten somit eine kontinuierliche Temperatur. Auch dies ist eine natürliche Art sich den Bedingungen und Herausforderungen des natürlichen Raumes anzupassen und zu stellen. Bereits in der Altsteinzeit bauten die Menschen vor ihren Höhlen kleine Gärten an. Das waren die Anfänge von Landwirtschaft und der Erzeugung eigener Lebensmittel.


Blick von einer Höhle über das Canyon in Richtung Sassi di Matera, eine in den Felsen gebaute Stadt
Blick von einer Höhle über das Canyon in Richtung Sassi di Matera

Entwicklungsphase #2: Sassi di Matera


Im Laufe von Jahrtausenden entstand folglich eine Stadt aus selbstgebauten Steinhäusern, die sogenannten “Sassi di Matera”. Diese bildete sich jedoch auf der anderen Seite des Canyons bzw. des Flusstales Gravina auf der Hochebene.


Für den Bau der Sassi nutzten die natürlichen Felsformationen entlang der Schluchten und passten sie an. So entstand ein verschachteltes Netzwerk aus Höhlenwohnungen, engen Gassen und kleinen Plätzen, dazwischen Felsenkirchen, das zusammen ein großes architektonisches Kunstwerk ergibt.



Architektur als Bestandteil der Landschaft


Hinter dem Bau der Stadt der “Sassi di Matera” steckte stets der Gedanke, dass ein Haus zur natürlichen und geologischen Landschaft gehört. Die Architektur ist Bestandteil der Landschaft. Architektur hat sich mit der Landschaft verbunden und nimmt Rücksicht auf Landschaft. Es ist also eine Kulturlandschaft, wo Mensch und Natur vereint leben.

Matera, eine in den Felsen gebaute Stadt mit Platz und Kirche und bewachsener Canyon

Die Sassi di Matera sind ein herausragendes Beispiel dafür, wie die menschliche Besiedlung in perfekter Harmonie mit der natürlichen Umgebung existieren kann.


Wie die Stadt, so die Menschen


Die Art des Wohnens bestimmt auch die Art des Zusammenlebens und der damit entstehenden Kultur. Die Höhlen hatten im Inneren kein Licht und wenig Luft. Deshalb hielten sich die Bewohner sehr häufig draußen vor die Höhle auf. Der Ort vor der Höhle war der einzige Treffpunkt für die Familie und umliegenden Höhlenbewohner. Es gab ein Kohlebecken mit Feuer, wo sich Familie, als auch Nachbarn vereinten um sich zu wärmen und sich über den Tag auszutauschen.


Jede Familie lebte mit ihren Tieren zusammen und sahen diese als Familienmitglied. Allerdings wurden die Tiere nicht, wie man sich aus heutiger Sicht vorstellen würde, in einem separaten Teil der Höhle gehalten, sondern lebten gemeinsam mit den Menschen in den Höhlen. Damit gab es keine feste Trennung zwischen Innen und Außen. Die Bewohner nutzten die Räumlichkeiten flexibel je nach Jahreszeit, Außentemperatur und Bedürfnissen der Tiere und Familie.



Ein Besuch vor Ort


Heute und mit der Zeit wurde Matera eine Mischung aus natürlichen Höhlen und gemauerten Gehäusen. Die Stadt hat es geschafft, ihre historische Umgebung zu erhalten und gleichzeitig nachhaltige Praktiken zu fördern, um die natürliche Schönheit und den Reichtum der Umgebung zu schützen.


Es ist definitiv kein entspannender Schländer-Spaziergang zwischen den Sassi di Matera, den kleinsten verwinkelten Gassen und Kirchen, dann die Schlucht hinunter und hinauf zur Murgia Materana.


Vielleicht ist aber genau das, das ansatzweise ein Gefühl vermittelt wie schwer es für die Bewohner gewesen sein muss eine derartige Symbiose zu erschaffen. Vielleicht ist es auch genau das, was uns daran erinnert, dass vor dem Bau einer Stadt dort Natur war.


In Matera ist Natur auch nach dem Bau der Stadt noch da. Das und so viel mehr versetzte mich dort in einen Zustand des reinen Staunens.


Aussicht durch einen Steinbogen in Matera, eine in den Felsen gebaute Stadt über den bewachsenen Canyon zu der Landschaft Murgia
(c) alle Fotos von Laura Haipl

Inspiriert von symbiotischen Orten


Kennst du auch solche symbiotische Orte, wo Mensch beim Bau seiner Behausungen so mit der Natur im Einklang und Austausch war?


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Quellen:
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