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  • Olivia Köhler

Der Wald: Ort der Schatten & Sinnbild für Paradies


Unsere Beziehung zum Wald hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder verändert. Verbunden mit den ihn umgebenden Metaphern, Mythen und Geschichten ist er ein weiser Lehrmeister für unser Leben. Er öffnet uns einen Raum für vielgesichtiges Erleben. Bist du bereit?



INHALTSVERZEICHNIS

Der Wald ist ein Ort der Schatten und gleichzeitig ein Sinnbild für das Paradies

Verloren gehen, um gefunden zu werden


"Der Zauber des Waldes. Er verlangt, dass man ihn zuerst betritt und sich dann in ihm verliert". Der folgende Text ist mir vor zwei Jahren begegnet, hat mich direkt tief berührt und mich eine ganze Weile begleitet. Er hat meine damalige Situation genau widergespiegelt. "Ob buchstäblich oder imaginär, trau dich in den Wald und verliere dich, um gefunden zu werden".


"Denk einen Moment lang an deine früheste Erinnerung an den Wald. Wahrscheinlich enthielt sie die ganze mythische Dynamik dieses archetypischen Raums: ein wenig Angst, ein wenig Verzauberung, vielleicht die Verirrung, vielleicht die Entdeckung eines geheimen, mystischen Schatzes. Das ist der Zauber des Waldes. Er verlangt, dass man ihn zuerst betritt und sich dann in ihm verliert. Du glaubst vielleicht, dass es einen Pfad gibt, der dich direkt hindurchführt, aber schon bald wirst du dich auf dem so genannten pfadlosen Pfad befinden. Hier gibt es Betrüger, dichtes Laub und Verstrickungen. Aber ebenso präsent sind die Schimmer von Feenlicht und Baum-Freunde. Du bist jetzt auf einem Abenteuer, und es gibt kein Zurück mehr, also lass dich auf das gedämpfte Licht und die sich bewegenden Schatten ein. Ob buchstäblich oder imaginär, trau dich in den Wald und verliere dich, um gefunden zu werden."

~ Kim Krans (übersetzt aus dem Englischen)



Der Wald als eine "Dortwelt" & ein Heiligtum


Interessant ist, dass in Waldgebieten beheimate Völker nie wirklich direkt im Wald gelebt haben. Ihr Zuhause und ihren Schutz haben sie sich auf natürlichen oder erschaffenen Lichtungen erschaffen. Das hat den Wald zu einem "Dort" gemacht. Es gab somit ein "Hier" und ein "Dort". In den Wald zu gehen bedeutete regelrecht eine Schwelle zu übertreten.


Damals als die Römer rund um 100 nach Christus die Wälder der Germanen zu Gesicht bekamen entstand die Aussage, dass dieses Land mit seinen schaurigen Wäldern einen widerwärtigen Eindruck mache.


Das Bild eines finsteren Waldes setzte sich dann über die Zeit in den Köpfen der Menschen fest. Vor allem im Mittelalter war der Glaube an Dämonen und Fabelwesen, Geister und Hexen, die im Wald herrschten, weit verbreitet.


Für die keltischen Druiden aber war der Wald ein Heiligtum. Die Linde war der Liebesgöttin Freya geweiht, die Eiche dem Donnergott Donar, auch Thor genannt. Die "Waldreligionen" wurden allerdings durch den Siegeszug der "Hochreligionen" immer mehr verdrängt.


Einen Teil hat Bonifatius, welcher von Papst Gregor II. zum Missionsbischof bei den Germanen ernannt wurde, dazu beigetragen. Im Sommer 723 fällte er eine gewaltige Eiche in Hessen, die dem Gott Donar geweiht war. Das war die Vernichtung eines bedeutenden heidnischen Heiligtum. Eine inszenierte Aktion, die den christlichen Gott als den stärkeren darstellen sollte.


Bonifatius fällt die Donar-Eiche mit angesammelten Menschen um ihn herum
Bonifatius fällt die Donar-Eiche

Die Wald-Romantik der Deutschen


Es ist weit bekannt, dass wir Deutschen eine ganz besondere Beziehung zu unseren Wäldern haben. Anfang des 19. Jahrhunderts, mit Beginn der Epoche der Romantik, änderte sich die Haltung der Deutschen zum Wald. Das im Mittelalter vorherrschende Finstere wurde immer mehr durch eine positive Zuwendung abgelöst.


Ursprünglich waren 80% der Landfläche Deutschlands Buchenurwälder. Unsere menschliche Kultivierung ließ den Wald allerdings immer mehr zurückweichen. Die beginnende Industrialisierung und der Ausbau der Städte im 19. Jahrhundert lieferte auch ihren Beitrag dazu. Der Wald fühlte sich somit für die Menschen als etwas Fernes und fast Verlorenes an.


Dadurch wird er zu einem besonderen emotionalen Raum, was u.a. in der Literatur und Kunst und Musik zum Ausdruck gebracht wird.


"Wandersehnsucht reißt mir am Herzen, wenn ich Bäume höre, die abends im Wind rauschen. Hört man still und lange zu, so zeigt auch die Wandersehnsucht ihren Kern und Sinn. Sie ist nicht Fortlaufenwollen vor dem Leid, wie es schien. Sie ist Sehnsucht nach Heimat, nach Gedächtnis der Mutter, nach neuen Gleichnissen des Lebens. Sie führt nach Hause."

~ Hermann Hesse



Der Wald wird zu dieser Zeit als eine heile und träumerische Welt und eine Erinnerungslandschaft beschrieben. Ein Ort des Glücks und der Zufriedenheit, an dem sich die Menschen vor sozialen Zwängen und dem Chaos des Alltags geschützt fühlen. Ein Ort des Paradiesischen.



Eine Prüfung für die Held:innen


Es gibt allerdings auch das bereits erwähnte Dunkle, das damals vor der Romantik noch vermehrt vorherrschte und das wir aus Geschichten, Mythen, Sagen und vielleicht auch aus eigener leiblicher Erfahrung kennen. Es geht um die unergründliche, wilde und verbotene Seite des Waldes.


In vielen Märchen und Volkssagen, die sich im Wald abspielen, muss der Protagonist zunächst vielgesichtige Gefahren überwinden und Prüfungen bestehen. Danach kehrt die Figur aber nicht nur heil, sondern auch beschenkt und gewandelt zurück.


In vielen dieser Geschichten "können wir die klassische Gestalt der initiatorischen Reise ausmachen: der Ruf, die Prüfungen, die kleinen Helfer, das Verirren, die Verführung, die mutige Zentralhandlung und die Bezwingung des Dämonen, die Belohnung, die letzte Grenze, die Rückkehr." (1)


In der Göttlichen Komödie schrieb Dante Alighieris:

"Auf halbem Weg des Menschenlebens fand Ich mich in einen finstern Wald verschlagen, Weil ich vom graden Weg mich abgewandt."
Dante verirrt im dunklen Wald, der seine Sünden symbolisiert
Dante verloren im Wald (Gustave Doré)

Der finstere Wald als starke Metapher, in diesem Fall für die Sünde. Dante als Autor und Protagonist hat sich verirrt und versucht symbolisch wieder aus dem Wald herauszufinden.


Genau wie im eingangs erwähnten Text über den archetypischen Wald. Nur wenn du im Wald auch einen Anflug des Verirrt-seins verspürt hast, dann warst du auch wirklich im Wald und nicht nur in einer Ansammlung von Bäumen. Manchmal gehört auch das Fürchten und das Ungewisse mit dazu.



Naturtherapeutisches bzw. natur-dialogisches Entdecken


Heutzutage besteht Deutschland noch immer zu 1/3 aus Waldfläche. Wir vergessen allerdings oft in unserem Alltag auf die Magie des Waldes. Man spürt sehr wohl das Verlangen nach diesem Ort und verbringt vielleicht auch Zeit zur Erholung dort. Wie oft schaffst du dir allerdings einen Raum, dich dieser Magie des Waldes voll hingeben zu können?


Die große Kraft der vielfältigen Metaphern, die mit dem Wald verbunden sind, die viele Geschichten rund um Helden-Reisen und der Gleichzeitigkeit des Hellen und Dunklen machen ihn zu einer äußerst spannenden Landschaft für Prozessbegleitung und Retreats draußen in der Natur. Draußen schlafen - beschützt durch ein Tarp, am offenen Feuer gemeinsam kochen, ein paar Tage draußen leben, es fließen lassen und entdecken.


Man kann mit den eigenen Schattenaspekten und dem Nichtgesehenen in Kontakt kommen, sich der Herausforderung des "Verlorenseins im Wald" stellen. War man tapfer und hat man die Herausforderung gemeistert wird man beschenkt. Im Wald kann dir vieles begegnen und damit öffnet er dir einen großen Raum für sich veränderndes.


An das Wald-Modul meiner systemischen Naturtherapie-Ausbildung vor zwei Jahren erinnere ich mich ganz lebhaft. Wir haben uns auf den Weg gemacht, einen Ort zu finden. Es regnete. Es regnete viel und es hörte nicht auf. Die Temperaturen waren um die 10°C. Aus irgendeinem Grund hatte ich Halbschuhe an. Sie waren zwar wasserdicht, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt trotzdem komplett durchnässt.


Schlafen draußen im Wald, nur mit einer Plane als Schutz, um den Wald in einem naturtherapeutischen Setting voll zu erleben

Am Ort angekommen machten wir Feuer, was sich nicht als ganz einfach erwies mit all dem nassen Holz. Das Abendessen kochen am Feuer dauerte etwas länger, es begann nun auch zu schneien. Die Nacht brach herein. Jede:r war sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Die persönlichen Prozesse nahmen ihren Lauf.


Am nächsten Morgen jedoch bereits die Wandlung. Trotz einer durchfrorenen Nacht bei -3°C, einigen nassen Schlafsäcken und anderer Herausforderungen durften wir in einen paradiesischen Tag hinein aufwachen. Ein spezieller Raum für intensives Erleben eröffnete sich uns. Nach der Herausforderung wurden wir reich beschenkt und haben uns unglaublich eingebunden in das Leben und lebendig gefühlt.



Komm für drei Tage mit in den Wald


Was hält der Wald für dich bereit? Komm mit uns raus und finde für dich heraus, welche Geschichten der Wald dir zu erzählen hat - über dich und die Welt.



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THE OUTER & INNER FIRE - ein Retreat draußen im Wald

Naturtherapie x Kundalini Yoga

Fr, 5.08.- So,7.08., nahe Berlin

> mehr Infos


draußen im Wald sein. die Veränderung von Tag und Nacht, Licht und Dunkel und den Jahreszeiten spüren und erleben. dich mit dem, was uns umgibt, dir selbst und den anderen in der Gruppe verbinden. den Sommer fühlen. heiß oder warm, trocken oder feucht, luftig, leicht, hell und großzügig. das Element Feuer näher kennenlernen. ist es mir vertraut? was hat es mir zu erzählen?

es ist unser Körper, der zu uns spricht. still werden und lauschen. erfahren welche Schätze und Antworten in ihm geborgen liegen. wofür brenne ich? was liegt mir am Herzen? was erfüllt mich? welche Ideen und Visionen möchten in die Umsetzung gebracht werden? wo darf mehr Leichtigkeit und Unbeschwertheit in mein Leben treten? die Antworten werden zu dir finden.




 

Quellen:

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